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Ergebnisse der Weltklimakonferenz und Auswirkungen des EU-Energiepakets

Fr, 12.12.2008 — 11:00

Anforderungen und Chancen für Oberösterreich: Weit über 10 Millionen neuer Arbeitsplätze werden international durch Umstellung der Energieerzeugung entstehen – Regionen die Schrittmacher bei Klimaschutz und Energiewende – internationales Netzwerk der Vorreiter gegründet

Zwar konnte bei der Weltklimakonferenz in Posen noch kein Weltklimavertrag abgeschlossen werden und wird das EU-Klimapaket durch viele Ausnahmen geschwächt, aber die Umstellung der Energieerzeugung weg von fossilen Energieträgern hin zu klimaschonenden erneuerbaren Energieträgern und Energieeffizienz ist in vielen Regionen am Start und in Umsetzung. In den USA, China, Australien und Europa stellen viele Regionen ihre Energieerzeugung und Energieverwendung um und geben damit dem Klimaschutz und den nächsten Generationen eine Chance. Jetzt schließen sich diese Schrittmacher-Regionen zusammen. Durch die schrittweise Energieumstellung entsteht ein riesiger neuer Markt von weit über 10 Millionen Arbeitsplätzen. Vorreiter Oberösterreich hat dabei alle Chancen für ein grünes Exportwunder und damit ein grünes Arbeitsplatzwunder. Neue Zahlen des Weltklimarates belegen allerdings, dass die Verringerung der Emissionen enorm sein muss, damit die Klimaveränderung nicht völlig außer Kontrolle gerät. 

Oberösterreichs Umweltlandesrat Rudi Anschober hat diese Woche an der Weltklimakonferenz in Posen teilgenommen und dabei die Modellregion Oberösterreich präsentiert. Von Posen war noch kein Durchbruch erwartet worden, Posen war im wesentlichen die Vorbereitungskonferenz für die alles entscheidende Weltklimakonferenz in Kopenhagen im Dezember 2009. Dazu kam, dass die USA noch nicht durch president-elect Barack Obama vertreten und daher bei der Weltklimakonferenz handlungsunfähig waren. Im Schlussdokument von Posen wird es daher heute abends keine Fortschritte geben.

Eine völlig neue positive Dynamik war jedoch in Posen seitens der Regionen spürbar. Sie bringen sich stark ein, setzen auf die Umstellung der Energieerzeugung und damit konkreten Klimaschutz. Oberösterreich hat sich beim Aufbau eines Netzwerkes der engagierten Klimaschutzregionen, in dem weit über 100 Regionen vertreten sein werden, stark eingebracht.

Anschober: "Was wir seit Jahren sagen und umsetzen, dass kluger Klimaschutz nicht nur eine Lebensversicherung für die nächsten Generationen ist, sondern auch eine enorme wirtschaftliche Chance ist, wird nun von vielen Regionen dieser Welt nachvollzogen und umgesetzt. In den letzten drei Jahren hat sich ein enormes Umdenken durchgesetzt. Durch diese dritte industrielle Revolution werden weltweit weit über 10 Millionen Arbeitsplätze entstehen."

Beispiel USA: der bisherige Nachzügler USA wird zum Vorreiter - eine der größten Chancen für den Klimaschutz überhaupt. Angetrieben von besonders engagierten Bundesstaaten wie Massachusetts, Connecticut, Kalifornien u.a.m. hat sich das Ziel der Energieumstellung nun bundesweit durchgesetzt.

President-elect Obama kündigte in einer Videobotschaft an den Weltklimagipfel an, 15 Milliarden Förderungen jährlich in den Umbau der Energieerzeugung und Energieverwendung der USA zu investieren - auch gezielt als Konjunkturlokomotive, um 5 Millionen green Jobs in den USA zu schaffen.

Beispiel China: der mittlerweile größte THG-Emittent der Welt will nun ebenfalls im großen Stil auf Ökoenergie umsteigen: bis 2020 sollen 15% des chinesischen Gesamtenergieverbrauches aus erneuerbarer Energie stammen, bis 2025 sogar 20% (derzeit 8%). Eine riesige Ökoenergieindustrie ist im Entstehen - alleine die Solarindustrie beschäftigt bereits 600.000 Menschen. Alleine der größte Solarproduzent der Welt, Solartech, produziert Solaranlagen mit einer jährlichen Leistung von 1.000 MW (entspricht der Leistung eines Blocks des AKW Temelin) und rechnet mit enormen Verringerungen der Produktionskosten für Solarstrom, der bereits in 5 Jahren ohne Förderungen auf dem Niveau des Strommarktpreises liegen soll.

Beispiel Australien: seit einem Jahr setzt die neue Regierung, die mittlerweile auch das Kyotoübereinkommen unterzeichnet hat, auf den schrittweisen Umbau auf erneuerbare Energieträger. So etwa in Süd-Australien, das die CO2-Emissionen bis 2050 um 80% verringern, unter anderem Plastikflaschen verbieten will und ein eigenes Unterrichtsfach Klimaschutz eingeführt hat.

Beispiel Europa: durch das Energiepaket, das beim gestrigen und heutigen EU-Ratsgipfel beschlossen wird, wird der Anteil erneuerbarer Energieträger von derzeit 8,5 bis 2020 auf 20% erhöht, die Emissionen im selben Zeitraum hauptsächlich dadurch um 20% verringert. Alleine durch den Ausbau der erneuerbaren Energie wird ein Investitionsschub von 300 bis 500 Milliarden Euro ausgelöst und werden 2 Millionen neuer Arbeitsplätze geschaffen.

Anschober: "Auch aus vielen anderen Regionen dieser Welt - etwa aus Regionen Indiens - wurden ähnliche Berichte präsentiert. Nach der ersten industriellen Revolution mit der Einführung des Dampfkraftwerkes und später der Nutzung fossiler Energieträger, der zweiten industriellen Revolution im Bereich IT stehen wir am Beginn der dritten industriellen Revolution, der Energierevolution. Green Valley löst Silicon Valley ab - gerade wir in Oberösterreich haben die einmalige Chance eines grünen Exportwunders und damit eines grünen Arbeitsplatzwunders mit zehntausenden neuen Arbeitsplätzen in Oberösterreich in den kommenden Jahren."

Jetzt Verstärkung der Exportförderung, um grünes Arbeitsplatzwunder zu verwirklichen und Green Valley zu werden

Oberösterreich hat alle Voraussetzungen, um stark von der Energierevolution zu profitieren:

- dank gut ausgebildeter MitarbeiterInnen und hervorragender Unternehmen sind wir in den Bereichen Biomasse und Solar Marktführer in Europa;

- durch meine Energiewende werden wir in den kommenden Jahren einen weiter wachsenden Heimmarkt haben;

- auch die Bundesregierung wird aufgrund der im EU-Energiepaket enthaltenen verpflichtenden Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energie von 23 auf 34 Prozent endlich aktiv werden müssen.

Anschober fordert von Bundesregierung Energiegipfel zur Umsetzung des EU-Energiepakets

Um von Beginn an die Chancen zu nutzen fordert Anschober von Wirtschaftsminister Mitterlehner die rasche Einberufung eines Energiegipfels der Bundesregierung mit den Bundesländern: "Jetzt muss von Beginn an zusammengearbeitet und an einem Strang gezogen werden, um die neuen Energieziele österreichweit zu schaffen. Oberösterreich wird aufgrund der bereits in Umsetzung befindlichen Energiewende dabei kein Problem haben. Zuallererst brauchen wir nun bundesweit ein neues Ökostromgesetz. Es war bei der Weltklimakonferenz peinlich, dass Österreich eine der schlechtesten Regelungen hat. Österreich muss endlich die Eckpfeiler des deutschen Erneuerbaren Energiegesetz übernehmen, das mittlerweile von 50 Staaten dieser Welt umgesetzt wird - zuletzt von China, Indien und Ägypten."

Anschober schlägt Verstärkung der oö. Exportoffensive für Ökoenergie vor

Schon jetzt entwickelt sich die Ökoenergie in Oberösterreich zu einer neuen starken Säule der Wirtschaftsentwicklung und des Arbeitsmarktes: 3.000 MitarbeiterInnen erzeugen mit einer Exportquote von 70% einen Umsatz von ca. 2 Milliarden Euro. Um die aktuellen historischen Chancen möglichst umfassend zu nutzen, habe ich die Branche eingeladen, Vorschläge zur Verstärkung der oö. Exportoffensive im Bereich Ökoenergie vorzulegen.

Weltklimakonferenz - Netzwerk der Regionen will Druck von unten für einen Weltklimavertrag verstärken

Die Chancen haben sich durch die politische Wende in Australien und den USA deutlich verbessert - in den nächsten 12 Monaten muss nun ein Weltklimavertrag ausverhandelt werden. Dabei wollen die Regionen sich verstärkt engagieren und in einem umfassenden Netzwerk verstärkt Druck von unten – also "Klimaschutz bottom up" - ausüben.

Anschober: "80 Prozent der umwelt- und klimarelevanten Entscheidungen werden auf dieser Welt auf regionaler Ebene getroffen. Es ist also enorm wichtig, dass sich die Regionen zu ambitionierten Klimaschutzzielen bekennen und diese umsetzen, voneinander bei der Umsetzung lernen und Druck auf die Regierungen ausüben, damit der Weltklimavertrag tatsächlich verwirklicht wird. Gleichzeitig starten die Regionen einen positiven Wettbewerb für Klimaschutz und stärken sich gegenseitig bei der Umsetzung - unter anderem durch die Information über gelungene Umsetzungsmaßnahmen und neue Ansätze sowie Best-Practice-Beispiele. Von diesem Netzwerk von weit über hundert Regionen werden alle profitieren - auch wir in Oberösterreich." 

Notwendige CO2-Verringerung noch dramatischer als bisher angenommen

Jan Pascal van Ypersele - Vizevorsitzender des Weltklimarates - präsentierte bei einer Konferenz der besonders erfolgreichen Klimaschutzregionen  den aktuellen Wissensstand der führenden Wissenschaftlerinnen über das Ausmaß der notwendigen CO2-Einsparungen. Und die CO2-Einsparungen werden noch viel dramatischer sein müssen als bisher angenommen.

Kernpunkt der Berechnungen ist es dabei, eine bestimmte CO2-Konzentration in der Atmosphäre nicht zu überschreiten - das Ziel der EU ist es, eine Konzentration von 450 ppm (aktuell 483 ppm) nicht zu überschreiten, damit die durchschnittliche globale Temperaturerhöhung, die mit der Zunahme der CO2-Konzentration verbunden ist, 2 Grad Celsius nicht überschreitet. Die folgende Tabelle zeigt die dafür erforderlichen Emissionsverringerungen bis 2020 bzw. 2050 und belegt, wie gravierend der Kurswechsel zu wirksamem Klimaschutz in den nächsten Jahren und Jahrzehnten wird sein müssen.

Die derzeitigen Bemühungen sind daher nur erste Schritte - Ziel muss es sein, wie von OÖ geplant, mittelfristig weitgehend aus der Verbrennung fossiler Energieträger auszusteigen.



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